





Mit Cosma erlebte sie immer neue Abenteuer.
Lieselotta liebte Abenteuer, doch so viele Abenteuer wollte sie manchmal doch lieber
nicht erleben. An Tagen wie diesen sehnte sie sich ein wenig nach einem gemäßigteren
Leben. Oft war eine Katastrophe noch nicht beseitigt, da nahte bereits neues Ungemach.
So war Lieselottas Leben, seit Cosma aufgetaucht war.
Doch Cosma Morgenstern hatte ein so bezauberndes Wesen, daß Lieselotta ihr nie lange
böse sein konnte.
Lieselotta schloß das Fenster, seufzte kaum hörbar und mußte lächeln. Wer weiß, was
die Zukunft nun wieder für eine Variante bereithielt.
Alle hatten sich mittlerweile um Cosmas verlorenen Sohn gescharrt. Cosma hielt ihn
noch an der Hand und betrachtete ihn stolz “Mensch mein Junge, wo warst du denn nur
so lange?”
Lieselotta hatte sich bereits daran gewöhnt, daß Familie bei Himmelskörpern irgendwie
anders als bei Menschen funktionierte. Doch daß ein Kleinkind mal eben für einige
Jahre verschwindet und offensichtlich nicht einmal richtig vermißt wird, daß die
Familie nach ihm sucht, mußte sie erst einmal verdauen.
Sie musterte zum ersten Mal genauer das Etwas, das da auf ihrem Bett stand. Es schien
ein kleiner schwarzer Vollmond mit einem zotteligen Fellbüschel auf seinem Kopf zu
sein. . Er hatte funkelnde dunkle Augen tief wie die Nacht, die gleiche kleine runde
Stupsnase wie Delta, lustige ovale Augen und einen noch scheuen Gesichtsausdruck.
Hinter eben diesem schien sich allerdings ein freches Grinsen zu verbergen, das sich
bestimmt entwickelte, sobald Markus-Aurelius ein wenig Zutrauen gefaßt hatte.
Der kleine schwarze Mond hatte keine Schuhe an seinen kleinen Füßen, eine Windel
mit kleinen Planeten darauf um den Bauch gewickelt, und er stank wie ein ganzer Raubtierkäfig.
‚Wie kann ein so kleines Wesen nur so gewaltig stinken?‘ überlegte Lieselotta. Rosenduft
roch anders.

